Goju-Ryu Lehrgang
An einem sehr sonnigen Samstag Mitte Oktober wurden Michael und ich in Hardthausen von unserem befreundeten Dojo mit Dojoleiter Christian Schollenberger ( 6.Dan) und einem ganz besonderem Gast empfangen: Weltkampfrichter im Karate für Kata und Kumite Uwe Portugall (6.Dan). Die Atmosphäre war sehr locker, weil er uns auch sofort noch von unserem gemeinsamen Karateausflug nach Japan im Jahr 2005 erkannte. Das war auch sein erstes Jahr als Weltkamprichter, nachdem er im Jahr 2000 die Prüfung zum Europakampfrichter ablegte. Aus der Sicht eines solch renommierten Kampfrichters die Lehrgangsthemen "Kata" und "Bunkai" präsentiert zu bekommen, ist schon etwas Einmaliges, weil wer soll sich in der Welt des Karate besser auskennen als er? So war es schon hochinteressant, sich mit den Kriterien und Maßstäben, die beim Vorführen einer Kata zu Erfolg oder Misserfolg führen, mal aus seiner Sicht auseinanderzusetzen. Eine Hauptaussage von ihm gleich zu Anfang des Lehrgangs war für uns eher überraschend. Ganz gleich ob bei ihm eine sportlich ausgelegte Wettkampfkata mit sehr schnellen und zum Teil akrobatischen Zügen vorgeführt wird , oder ob jemand eher die traditionelle Auslegungsform beim "Laufen" einer Kata bevorzugt, die Kriterien nachdem eine gezeigte Kata bewertet wird, seien immer gleich. Natürlich ist ein Hauptkriterium immer der genaue Bewegungsablauf, der ja festgelegt ist. Stilrichtungsabweichungen kann es dabei zwar immer geben, jedoch müssen die Techniken immer einen Bezug zur Anwendung bzw. sogar zur Wirklichkeit haben. Mit anderen Worten ausgedrückt heißt das: Die Technik in jeder Kata, die ja einen Kampf darstellt, muss immer "funktionieren" d.h. der Vorführende muss die Anwendung jeder Technik (Bunkai) am Gegner sozusagen erklären können. So ist auszuschließen, dass sich bei den festgelegten Katas, die z.T. schon viele hundert Jahre alt sind, immer mehr Fremdelemente einschleichen, die eher aus dem tänzerischen oder - wie schon erwähnt - aus dem akrobatischen Bereich kommen. Alle Techniken müssen klar erkennbar sein, und dürfen nicht aufgrund der hohen Geschwindigkeit "verwischen". Zu einer guten Kata gehören auch immer die richtige Geschwindigkeit, die richtige Atmung, die richtigen Stände, die richtige Grundspannung, die richtige Blickrichtung der Augen und nicht zuletzt auch die richtige Ausstrahlung. Eine eindrucksvolle Kata beinhaltet all jene Kriterien und erst dann läuft eine Kata richtig rund ab oder wie es mit den Worten von Uwe zu sagen wäre: " Bei der letzten WM hatte ich bei einer Finalistin bereits Gänsehaut am ganzen Körper, nachdem Sie sich nur auf der Matte vorgestellt hatte und sich im Vorfeld auf die Kata mit überzeugender Konzentration vorbereitet hatte. Ihre Ausstrahlung und ihre Entschlossenheit in den Augen waren schon faszinierend".
Alles in allem war dies für uns ein sehr überzeugender Lehrgang, der uns wieder viele Details näher brachte. Auf der anderen Seite aber auch ein Lehrgang, der bestätigte, dass wir auch vieles richtig machen bzw. richtig an unsere Schüler weitergeben. So einige Berichtigungen und Verbesserungsmöglichkeiten gibt es natürlich auch bei uns - aber deswegen haben wir ja auch den Lehrgang bei Uwe Portugall besucht.
Bei immer noch sehr sonnigem Wetter traten wir nachmittags die Heimreise nach Stuttgart an und waren sehr beeindruckt von unserem "alten" Weggefährten unserer Japanreise und natürlich von den Ausführungen eines Weltkampfrichters.